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Adelheid
Letizia Fiorenza & David Sautter

Kritiken

02.06.2008
Zürcher Oberländer

Die Sängerin Letizia Fiorenza und der Gitarrist David Sautter befassen sich seit Jahren mit dem Liedgut der italienischen Volksmusik. Am Freitag präsentierten sie ihre Interpretationen in Wetzikon.



Das Licht im Mensasaal der Rudolf-Steiner-Schule ist leicht gedämpft. Für einmal werden die Stühle und Tische nicht von hungrigen Schulkindern besetzt, sondern von Rotwein trinkenden Erwachsenen. Auf der kleinen Bühne stimmt Letizia Fiorenza ein italienisches Klagelied an und beschliesst damit einen der ersten heissen Sommertage des Jahres.

 

Stimmung aufgenommen

 

Draussen setzt in diesem Moment Regen ein und prasselt an die Glasfassade des Saals. David Sautter nimmt die Stimmung auf und kontert mit sanftem Gitarrenspiel. Die Antwort von draussen lässt wiederum nicht lange auf sich warten: Ein Donnerschlag! Ein Sommergewitter setzt damit den eigentlichen Startpunkt zu diesem musikalischen Abend. Etwa so, als ob sich die beiden Protagonisten im Voraus mit Wettergott Petrus abgesprochen hätten.

 

Gemeinsame Leidenschaft


Die Sängerin Letizia Fiorenza und der Gitarrist David Sautter sind seit Jahren ein Paar. Privat, wie auch als musikalisches Duo. Gemeinsam teilen sie die Leidenschaft für traditionelles italienisches Liedgut und ergänzen sich dabei perfekt; Sautter mit seinem filigranen und präzisen Gitarrenspiel, welches sich an italienischen Gitarrenpionieren wie Mauro Giuliani oder Ferdinando Carulli orientiert, und die anmutig wirkende Letizia Fiorenza mit ihrer grazilen Gestalt und Stimme. Gemeinsam haben sie in über zwanzig Jahren schon mehrere Tonträger mit italienischen Volksliedern bespielt, welche ihren Ursprung hauptsächlich im Absatz des Stiefels haben. Dementsprechend programmatisch der Titel des Konzertes: «Palermo-Napoli-Zürich und retour.»


Land der Gegensätze


Die musikalische Reise in das südliche Nachbarland führte aber nicht nur ins unbeschwerte «dolce vita», sondern auch in ein Land, das seit je von seinen Gegensätzen geprägt war. Bitterböse Texte über Verrat, Eifersucht und Tod wurden dabei oft in süssliche Melodien verpackt.
In den humorvollen Zwischenansagen der beiden Musiker erklärten sie dem Publikum die Texte, welche in einem nur schwer zu verstehenden italienischen Dialekt gehalten waren. Alltagsgeschichten über Liebe, Religion und Macht spielen darin eine prägende Rolle.


Augenzwinkernder Realitätsbezug


Im Lied «La processione» kommt es zur Aufzählung der zahlreichen Schutzheiligen, welche dem italienischen Volk ein unbeschwertes Dasein ermöglichen sollten. Dass dabei auch mal zwiespältige Figuren zu Ehren kommen, ist unumstritten.
«Während Fussballer Maradona und Präsident Berlusconi mittlerweile Einzug in die bekannten sizilianischen Weihnachtskrippen gefunden haben, suchen die Neapoletaner derweil noch nach einem Heiligen, der ihr Abfallproblem lösen könnte», fügte Letizia Fiorenza mit ironisch-witzigem Unterton an.
Nach gut zwei Stunden Konzertgenuss ist die kurzweilige Reise beendet. Die sehnsuchtsvolle Stimme ist verstummt, der letzte Gitarrentupfer gesetzt und der Rotwein leer getrunken. Das Publikum tritt hinaus in die laue Sommernacht, die an Ferien im südlichen Nachbarland erinnern lässt. Das Gewitter ist weitergezogen, vermutlich nach Süditalien.

 

Martin Sturzenegger

Letizia Fiorenza & David Sautter, Guschstrasse 52, CH-8610 Uster, Fon. & Fax: 0041 44 942 20 68, info@adelheid.ch