deutschenglish
Adelheid
Letizia Fiorenza & David Sautter

Kritiken

18.05.2008
Limmattaler

Temperamentvolle Geschichte zwischen Sizilien und Rom

Mit Gesang, Gitarre und Körpersprache erzählen Letizia Fiorenza und David Sautter in Volksliedern von der Eigenart und den kleinen Merkwürdigkeiten des italienischen Lebens.

von Selina Bruderer



Die kraftvolle Stimme Letizia Fiorenzas füllt das Kellertheater Dietikon und trägt die Klagen einer verwitweten Frau zu den Zuschauern. Auf dem Gesicht der Sängerin und in den italienischen Worten spiegelt sich das Leid und die Trauer, die der Verlust zurück liess. David Sautter untermalt die Szene mit leichten, schnellen Gitarrenklängen. Nach dem Ende des Stückes klingt die Melancholie in der Stille aus, bis sie vom Applaus überlagert wird.

Dieses traurige Volkslied stammt aus Sizilien. „Die Sizilianer sind sehr ernsthafte Leute, deshalb war es schwierig ein fröhliches Volkslied zu finden.“, erklärt Letizia Fiorenza. Sie selbst wuchs in Rom, Florenz und Palermo auf.

Selbstverständlich bringen die beiden Musiker am Freitagabend mit ihrem Programm „I Cantimbanchi – Tanz der Tarantella auf feuriger Erde“ aber auch fröhlichere Lieder mit nach Dietikon. Solche, die die Sonne und Lebensfreude Italiens in sich tragen. Eines dieser Lieder erzählt eine kurze Geschichte von Fischen - mit sehr temperamentvollen, italienischen Zügen -, die auf der Piazza eine Dorfschlägerei anzetteln. Da  gibt es die „Schleimschnecke“, die als Kupplerin auftritt, die „Miesmuschel“, die überall etwas auszusetzen hat, und noch viele andere. Sie alle erhalten durch den Rhythmus der Gitarre, durch die Mimik der Musiker und durch die Worte in einem alten italienischen Dialekt einen eigenen Charakter.

Durch die Gassen Neapels führt David Sautter die Zuschauer dann mit einer Komposition von Mauro Giuliani. Mal leichtfüssig, energisch und dann wieder ruhig, behutsam zeigt er die Stadt.

Die italienische Mama findet auch ihren Platz im Programm. Söhne und Töchter diskutieren aufgeregt mit ihr. Der eine holt Rat für die Hochzeitsnacht ein, während die andere sich aufregt, dass ihre Mama sie nicht versteht.

Typisch für Italien sind auch die vielen Heiligen. David Sautter erzählt vom Schutzheiligen von Neapel, der zugleich der Schutzpatron der dortigen Fussballmannschaft ist. Die Zuschauer schmunzeln denn auch, als er von Heiligen für Kopfweh erzählt, Kinder, die Zähne bekommen und solchen, die unverheirateten Frauen einen Mann besorgen – „Ob sie wollen oder nicht!“, wirft Letizia Fiorenza ein. Alle diese Heiligen werden im Lied „La prozessione“ besungen.

Von so viel Energie, Bewegung und vor allem vom italienischem Charme und Witz zeigen sich die Zuschauer so angetan, dass sie die beiden Musiker gar nicht mehr von der Bühne gehen lassen wollen. So erreichen sie mit ihrem Applaus eine Zugabe.

Letizia Fiorenza & David Sautter, Guschstrasse 52, CH-8610 Uster, Fon. & Fax: 0041 44 942 20 68, info@adelheid.ch