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Adelheid
Letizia Fiorenza & David Sautter

Kritiken

13.01.2005
Anzeiger von Uster

Lieder von Liebe, Leidenschaft und Eifersucht
Neapolitanische Villanellen und andere Lieder aus Neapel waren am Dienstagabend in der Villa Grunholzer in Uster zu hören. David Sautter begleitete Letizia Fiorenza auf der Gitarre und ergänzte das Konzert mit Scarlatti-Sonaten und Improvisationen.



Seit zwei Jahrzehnten tritt das Ehepaar Letizia Fiorenza und David Sautter zusammen im In- und Ausland an Konzerten auf. Während dieser Zeit haben sie das jahrhundertealte süditalienische Liedgut erforscht und gesammelt.

«Imagine del cuor», Bilder aus dem Herzen, nennen sie ihr Konzert, mit dem sie ihre Tournee in Uster begonnen haben. In ihren Liedern tragen die beiden denn auch das Herz auf der Zunge und zeigen Gefühle. In den Villanellen werden sehr direkt und lustvoll die Liebe und die Sehnsucht besungen, freilich auch Eifersucht und Todesdrohungen. Der Text ist teilweise derb und vulgär. Die beiden Musiker übersetzten dem Publikum den Text, den kaum jemand verstehen konnte, denn Fiorenza sang die Lieder in einem italienischen Dialekt.

Mit einem Hauch Melancholie
Die Sängerin sang die alten Weisen kräftig, aber dennoch leicht und lieblich, mit einem Hauch Melancholie und mit südländischem Temperament. Sie liess die vielen Vokale am Ende der Wörter wohltuend lange ausklingen. Einige Lieder begleitete sie mit verschiedenen Perkussionsinstrumenten.

Im Lied «Li ffigliole», die Mädchen, schmeichelte sie und sang, dass Mädchen ohne Liebhaber wie Bäume ohne Früchte seien, und forderte die Jungfrauen auf, das Leben zu geniessen, solange sie zart und frisch seien. Ein Lied von Vinci rät, zu warten, bis die Nespole reif seien. Desgleichen müssten sich die Freier gedulden und mit Geschenken die Frauen erweichen. Einfühlsam begleitete David Sautter seine Frau auf der Gitarre. Die Begleitung hatte er selber geschrieben, brauchte jedoch wie die Sängerin fürs ganze Konzert keine Noten.

Scarlatti und Improvisationen
Drei einsätzige Sonaten von Domenico Scarlatti ergänzten das Konzert. Scarlatti hat davon über 500 fürs Cembalo komponiert. Sautter spielte Bearbeitungen und liess die Töne geradezu aus der Gitarre sprudeln. «Es ist nicht einfach, Scarlatti-Sonaten auf der Gitarre zu spielen», findet er. Es sei keine Barockmusik mehr, und man spüre, dass Scarlatti viele Jahre in Spanien gewirkt habe.

Mit einigen Improvisationen rundete der Gitarrist das Konzert ab. Er habe oft eine Idee und immer ein Ziel dabei. Ein kleines Risiko gehe er beim Improvisieren immer ein. Aber er freue sich, wenn etwas besonders Schönes gelinge.

Letizia Fiorenza ist in Rom aufgewachsen. Sie gibt Unterricht für Atem und Stimme in Deutschland und sogar in Japan. Mit David Sautter zusammen tritt sie auch in einem Kinderprogramm auf. «Adelheid oder Lieder für Chind und Chindschöpf» ist 2001 mit dem «Goldige Chrönli» ausgezeichnet worden und ist auf CD erhältlich. Seit 1988 ist David Sautter Mitglied des Eos Guitar Quartet und spielt in diesem Ensemble an Festivals im In- und Ausland. Ausserdem ist er Gitarrenlehrer an der Kantonsschule Dübendorf und an der Musikhochschule Luzern.

Werner Gubser

Letizia Fiorenza & David Sautter, Guschstrasse 52, CH-8610 Uster, Fon. & Fax: 0041 44 942 20 68, info@adelheid.ch