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Adelheid
Letizia Fiorenza & David Sautter

Kritiken

04.02.2004
Neue Zürcher Zeitung

Frank Zappa reanimieren?" Das Eos Guitar Quartet im Moods

Mit dem genialen, vor zehn Jahren verstorbenen Rockmusiker Frank Zappa scheint sich postum viel Geld verdienen zu lassen.
Unablässig erfahren wir von neuen «Projekten» - vom Ensemble Modern über die aus Ex-Zappa-Musikern bestehenden Grandmothers of Invention bis hin zu jüngeren Bewunderern: Alle wollen ihren Beitrag zur Zappa-Reanimation leisten.



Allein, die meisten dieser Unterfangen scheitern. Dies liegt nicht am mangelnden Können der Nacheiferer, denen es oft leicht fällt, sich den hohen rhythmischen und melodischen Herausforderungen zu stellen. Als grösserer Challenge erweisen sich der «Spirit» dieses radikalen Witzbolds, sein beissender Zynismus, seine unerschöpfliche Energie und sein Vermögen, stets schlagfertig zu agieren. Bereits zum zweiten Mal hat sich der Musikklub Moods mit einem einschlägigen Konzert um den Nachlass des grossen Exzentrikers gekümmert. Das bestbekannte, vor bald zwanzig Jahren in Zürich gegründete EOS Guitar Quartet profiliert sich mit Erfolg immer wieder auch mit Crossover-Projekten - etwa mit dem jüngsten, das nun eben Frank Zappa gewidmet ist. Vor allem im zweiten Konzertteil demonstrierten die Virtuosen, dass sie mit ihrer Hommage an den Amerikaner, der Varèse und Strawinsky verehrte, mehr erreicht haben als viele ihrer «Konkurrenten». Eines jedoch wurde schnell deutlich. Das tongetreue Transkribieren der Zappa-Vorlagen brachte auch hier wenig (wie übrigens auch die Interpretation einer Bearbeitung von Strawinskys «L'histoire du soldat», deren Bezug zum Gefeierten Zappa-Unkundigen rätselhaft blieb). Spannend wurde es, als die vier klassischen Gitarristen eine vortreffliche Komposition des «Schweizer Zappa» Infrasteff Signer uraufführten. Da stolperten die Metren, da rieben sich die Töne, da bot sich manche Gelegenheit für Improvisationen. Auch ein Medley über wohlbekannte Zappa-Tunes, die oft gleichzeitig erklangen, vermochte zu überzeugen. Je stärker die Originale verfremdet wurden, desto spannender die Hommage. Mögen die raffinierten Partituren von Frank Zappa künftig also möglichst viele Musiker zu kreativen Leistungen beflügeln, die ihrerseits individualistisch bleiben. Das würde den Meister gewiss mehr freuen als alle Versuche, sein Werk zu reproduzieren. Das Werk Zappas spannend zu verarbeiten - gerade dies ist dem EOS-Quartett vorbildlich gelungen. Nick Liebmann Zürich, Moods, 1. Februar.

Letizia Fiorenza & David Sautter, Guschstrasse 52, CH-8610 Uster, Fon. & Fax: 0041 44 942 20 68, info@adelheid.ch