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Adelheid
Letizia Fiorenza & David Sautter

Kritiken

13.11.2001
Anzeiger von Uster

Lieder aus dem wunderbaren Kinderland
Benefizmatinee zu Gunsten der Musikschule Uster Greifensee mit David Sautter und Letizia Fiorenza
Was Kinder freut, kann durchaus auch Erwachsenen Vergnügen bereiten. Die «Lieder für Chind und Chindschöpf», kreiert und dargeboten vom Künstlerpaar David Sautter und Letizia Fiorenza, fanden am Sonntagmorgen im Musik-Container viele grosse und kleine Zuhörer.



Wie hoch auch immer der finanzielle Erlös zu Gunsten der Musikschule Uster Greifensee ausgefallen sein mag, die Familienmatinee mit David Sautter und Letizia Fiorenza darf allemal auf der Erfolgsseite verbucht werden. Dass das Künstlerpaar, dem erst vor kurzem von der Vereinigung zur Förderung Schweizer Jugendkultur am «Goldige Chrönli» der zweite Preis in der Sparte Lied verliehen wurde, sein neues Programm präsentierte, ist das eine. Dass David Sautter und Letizia Fiorenza überdies als Geste der Sympathie auf ihr Honorar verzichteten, ist das andere.

Bilder aus dem Familienalltag
Der Grund, warum die «Lieder für Chind und Chindschöpf» Kinder und Erwachsene gleichermassen zu erreichen vermögen, liegt in ihrer Alltäglichkeit. Themen, die aus dem Lebensbereich von Vätern und Müttern, von Buben und Mädchen stammen, sprechen an und sind leicht nachvollziehbar. Und wenn sie obendrein, in wortwitzige Poesie verpackt, der Phantasie genügend Spielraum lassen, dann umso besser. Kinderwünsche und Erwachsenensehnsüchte werden von David Sautter und Letizia Fiorenza textlich und musikalisch auf einen Nenner gebracht. Wer würde sich beispielsweise nicht gerne an einem Regentag wohlig ins Bett kuscheln und zuhören, wie die Tropfen aufs Dach klopfen, ganz sanft, ganz gleichmässig, sich, dem Gefühl von Wärme und Geborgenheit hingegeben, einlullen lassen. Oder wer hätte nicht gerne als Kind, allen äusseren Widerständen zum Trotz, ein Haustier besessen? Hund, Katze, Kuh, Pferd, Hase, Hamster, überall ist das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden. Doch dann, o Glück, kommt die Stunde der Ameise Adelheid, die mit ihrer zahlreichen Verwandtschaft aufkreuzt und im Sturm, melodisch von Rossinis Barbier unterstützt, das Haus erobert.

Vom Abzählreim bis zu Blues
Das Tieralphabet wurde vom Duo Sautter/Fiorenza derart geistreich illustriert, dass neben den ABC-Schützen sogar Erwachsene amüsiert schmunzelten. Vor allem «Betrunken lallt der Gänserich: Die Leber schrumpft, ich freue mich», oder «Den Frieden bringen soll die Taube, allein, es fehlt ihr oft der Glaube» sind Sentenzen ironischen Zuschnitts, wie sie von Georg Kreisler stammen könnten. Selbst das raubeinige Piratenlied vermittelte mit dem Reim «Unser Beruf ist das Plündern, es gibt heute keinen gesündern» höhere Einsichten, und das Lied «Pasta, solo Pasta per me» wächst sich zu einem genussreichen Teigwarenplausch alla italiana aus, der, an Zungenfertigkeit kaum zu überbieten, manchem Pasta-Liebhaber das Wasser im Mund zusammenlaufen liess. Der rockige Song «Immer ich» muss besonders den Kindern aus dem Herzen gesprochen haben.

Hervorragendes Teamwork
Nicht nur bei der Entstehungsgeschichte eines Liedes funktioniert die Arbeits- und Lebensgemeinschaft Sautter/Fiorenza ausgezeichnet, sondern auch auf der Bühne.
David Sautter, in erster Linie Gitarrist, tritt ebenso gewandt als Sänger auf. Sein «Otto Bortolotto» im Falsett ist geradezu hitverdächtig. Ihm gegenüber Letizia Fiorenza, die wandlungsfähige Sängerin mit flexibler Stimme, südländischem Temperament und Begabung fürs Komische. Ein Duo mit beträchtlichem künstlerischem Potenzial, das seine Talente nutzt. Dass David Sautter und Letizia Fiorenza darüber hinaus in der Lage sind, spontan mit dem Publikum zu kommunizieren, dürfte sie mit ihren «Liedern für Chind und Chindschöpf» zu allseits beliebten Gästen auf Deutschschweizer Kleinkunstbühnen machen.

rbe.

Letizia Fiorenza & David Sautter, Guschstrasse 52, CH-8610 Uster, Fon. & Fax: 0041 44 942 20 68, info@adelheid.ch